Villa Sohl

Gebaut wurde das Anwesen in den frühen Sechzigern. Sohl ließ einen Atombunker mit anderthalb Meter dicken Betonwänden bauen und darüber diese große Villa mit imposanter Schwimmhalle.

Die 1,5 Meter starken Stahlbetonwände ließen keine Gammastrahlen an die Sohls und an die Lebensmittelvorräte heran, die in besonderen Räumen des Bunkers eingelagert wurden.

Über dem Atombunker wohnte Sohl in einer Villa, die selbst der an großzügige Häuser gewöhnten Ruhr -Society Achtung abnötigt und von Bewunderern »Palazzo o Sohle mio« genannt wurde. Nach einer Bauzeit von anderthalb Jahren und einem Kostenaufwand von etwa 1,5 Millionen Mark zog Hausherr Hans-Günther Sohl hier ein.

Nachdem seine Witwe 1999 verstarb, stand das Haus leer und verfiel. Der Vandalismus der „Lost Place Besucher“ hat sein Übriges getan. Während das Haus architektonisch eher belanglos ist, steht der Park des rund 40.000 Quadratmeter großen Grundstücks inzwischen unter Bestandsschutz. Ein Investor will dort auf 6.000 Quadratmeter (Luxus)Wohnungen bauen, kommt aber nicht zum Zuge, weil der Denkmalschutz für das Gelände noch nicht final eingetragen ist.

Wer war Sohl?

Hans-Günther Sohl (* 2. Mai 1906 in Danzig; † 13. November 1989 in Düsseldorf) war ein deutscher Industriemanager. Als Wehrwirtschaftsführer und Vorstandsmitglied der Vereinigten Stahlwerke war er in den Einsatz von Arbeitssklaven des NS-Regimes verstrickt. Als Vorstandsvorsitzender des Nachfolgekonzerns Thyssen AG von 1953 bis 1973 machte er das Unternehmen zum größten Stahlkonzern Europas.

Der Sohn des Juristen und Ministerialbeamten Georg Sohl († 1937) hatte zwei Brüder (Erich und Werner). 1917 zog die Familie nach Berlin, wo Hans-Günther Sohl 1924 das Abitur bestand.

Am 1. April 1924 begann er mit einer Ausbildung zum Bergassessor beim Preußischen Oberbergamt Breslau. Als Student engagierte er sich beim Akademischen Verein Schlägel und Eisen, heute Agricola Akademischer Verein. Der Verbindung als berufsspezifischem Zirkel verdankte er Unterstützung beim beruflichen Einstieg wie bei weiteren Stationen. 1932 schloss er sein Studium erfolgreich ab.

Sohl trat 1932 eine erste Stelle als Wirtschaftsingenieur auf der Zeche Mathias Stinnes in Essen an. 1933 trat er der NSDAP bei. Im selben Jahr wechselte er zum Rohstoff-Ressort der Friedrich Krupp AG, dessen Leitung er 1935 übernahm. Ab 1. Oktober 1941 ersetzte er Hermann Wenzel als Vorstand der Vereinigten Stahlwerke. Bedingt durch den Austritt von Ernst Poensgen, wurde er im November 1943 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Stahlwerke unter Walter Rohland berufen. Bereits 1942 wurde Sohl zum Wehrwirtschaftsführer der Reichsvereinigung Eisen ernannt.

Mit dem Ende des Nationalsozialismus wurde Sohl basierend auf dem Central Registry of War Crimes and Security Suspects (CROWCASS) am 1. Dezember 1945 verhaftet, zunächst in ein Zwischenlager in Iserlohn gebracht und ab 4. Dezember 1945 im Verhörzentrum Bad Nenndorf interniert. Etwa ein halbes Jahr später kam Sohl ins ehemalige Stammlager VI A, dem nun von der Britischen Rheinarmee geführten Civilian Internment Camp No. 7, bekannt als Camp Roosevelt. Letzte Station war das – vormals Stammlager VI K (326) – Internierungslager Eselheide bei Paderborn, aus dem er am 17. Mai 1947 entlassen wurde.

Zum Jahreswechsel 1947/48 erneut in den Vorstand der Vereinigten Stahlwerke geholt, war Sohl mit Siegfried Seelig und Hermann Wenzel für die Entflechtung (Firmenstruktur) und Demontage (Reparation) der Vereinigten Stahlwerke zuständig und wirkte an der Neugestaltung der deutschen Schwerindustrie mit. 1953 wurde er Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG (eine der Nachfolgegesellschaften der Vereinigten Stahlwerke). Mit der Übernahme der Mehrheit am Rheinstahl-Konzern wurde Thyssen 1973 – kurz vor Sohls altersbedingter Ablösung durch seinen Nachfolger Dieter Spethmann – zum größten Stahlkonzern Europas und zum zweitgrößten der Welt. Sohl war von 1956 bis 1969 Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Stahl und von 1972 bis 1976 Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

(Quelle: Wikipedia)

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